Das Märchen von der sicheren Geldanlage
Sparen statt Investieren, Zinsprodukte oder Immobilien statt Aktien, Gold als Versicherung für unruhige Zeiten: die Deutschen gehen bei der Geldanlage gerne auf Nummer sicher. Unsummen liegen auf Sparkonten, Gold ist extrem beliebt, die Immobilie sowieso ein großer Traum, aber auf Aktien setzt nur jeder Sechste. Ist Sicherheit auch das oberste Gebot, wenn es um Ihr Geld? Dann habe ich eine schlechte Nachricht für Sie: Leider gibt es keine absolut sichere Geldanlage. Jede Anlageklasse birgt Risiken, selbst die vermeintlich super sicheren.
Sparen ist natürlich noch immer eine Tugend und ist auch noch immer der erste Schritt hin zu einem erfolgreichen Vermögensaufbau. Aber eben wirklich nur der erste Schritt, denn wenn Sie nur sparen, vernichten Sie langfristig sogar Vermögen. Der Grund: Auf den wenigsten Sparkonten gibt es einen Zinssatz, der oberhalb der Inflation liegt. Und das bedeutet, dass unser Realzins – also der Zins minus die Inflation – negativ ist. Unser Erspartes verliert an Kaufkraft und über die Jahre kann der Schaden massiv sein.
Sparen bedeutet Kaufkraftverlust
Ein Beispiel: Bei einer Inflationsrate (oder auch einem negativen Realzins) von nur einem Prozent sinkt die Kaufkraft von 10.000 Euro binnen fünf Jahren auf 9.514,66 Euro, nach zehn Jahren sind es nur noch 9.057,31 Euro. Mit den Jahren wird der Schaden immer noch größer. Das Inflationsziel der Europäischen Inflation liegt übrigens bei zwei Prozent; ein Ziel, von dem wir aktuell weit entfernt sind. Ein noch einfacheres Beispiel: In meiner Jugend, vor gut 40 Jahren, kostete die Kugel Eis 20 oder 30 Pfennig (!), heute gibt es sie in der Großstadt nicht mal mehr für einen Euro. Auch das ist Kaufkraftverlust.
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Das Geld auf dem Sparkonto rumliegen zu lassen, ist also nicht wirklich sicher. Es fühlt sich nur so an, weil sich der Nominalbetrag nicht verändert. 10.000 Euro bleiben 10.000 Euro. Aber der negative Realzins lässt die Kaufkraft sinken. Dasselbe gilt übrigens für super sichere Bundesanleihen. Deren Zinskupon ist zwar ein bisschen höher als die Zinsen auf Sparkonten, aber auch nicht hoch genug, um die Inflation wettzumachen.
Gold und Immobilien sind auch nicht sicher
Der Inbegriff des „sicheren Hafen“ ist bekanntlich Gold. Aber auch das gelbe Edelmetall ist nicht so sicher, wie erhofft. Am Ende des Jahrtausends bewegte sich der Goldkurs über zehn Jahre kaum von der Stelle. In den vergangenen beiden Jahren hat es dann eine wahre Goldrally an den Finanzmärkten gegeben – sehr zur Freude aller Goldfans. Ende Januar allerdings war die Party vorbei, es gab einen kleinen Gold-Crash. Und dann schwappte der Preis für das gelbe Edelmetall erstmal seitwärts. Auch in vermeintlich sicheren Häfen können die Wellen also ganz schön heftig werden. Und selbst das Betongold ist nicht sicher. Teure Reparaturen, Mietnormaden in der vermieteten Wohnung, eine Krise nebst fallender Preise, all das zeigt: auch Immobilien bergen Risiken.
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Und Aktien? Was habe die in einem Text über sichere Geldanlagen überhaupt zu suchen? Kurzfristig sind Aktien definitiv eine riskante Anlageklasse, und wenn Anleger auf eine breite Risikostreuung verzichten und nur auf die Anteilsscheine weniger Unternehmen setzen, dann bitte auch bei einem längeren Anlagehorizont. Grundsätzlich gilt aber: Mit der Anlagedauer sinkt bei breiter Risikostreuung das Risiko immer weiter und die Chancen auf eine sehr gute Rendite, mit der Sie locker die Inflation schlagen, steigen.
Langfristig stabilisiert sich die Aktienrendite
Dazu gibt es auch zwei aussagekräftige Grafiken vom Deutschen Aktieninstitut (DAI). Meine Lieblingsgrafik ist seit Jahren das Renditedreieck für deutsche Aktien. Die Botschaft: Je länger, desto grüner! Und grün beruhigt ja bekanntlich. Die zweite Seite des DAI-PDFs zeigt aber eigentlich noch deutlicher, wie mit der Anlagedauer das Risiko sinkt, aber die Chance steigt.
Der Chart zeigt historische Renditen. Wer nur ein Jahr in deutsche Aktien investiert hätte, hätte ein sensationelles (Nachkriegs-)Jahr mit einem Plus von 84,1 Prozent erwischen können, aber eben auch ein (Internetcrash-)Jahr mit einem Minus von 43,9 Prozent. Der Durchschnitt lag bei 11,2 Prozent. Schon bei einer Anlagedauer von fünf Jahren sinkt das Risiko deutlich. Im schlechtesten Fall hätte man eine negative Rendite von 9,4 Prozent pro Jahr erwischen können oder aber im besten Fall eine jährliche Rendite von plus 29,8 Prozent pro Jahr.
Der Durchschnitt lag bei plus 8,9 Prozent pro Jahr. Bei einer Anlagedauer von 15 Jahren verschwindet das Verlustrisiko komplett: Erwischt ein Anleger den schlechtesten Zeitraum, macht er immer noch ein Plus von 2,3 Prozent pro Jahr. Im besten Fall wären es plus 15,4 Prozent pro Jahr; bei einem Durchschnitt von 8,4 Prozent pro Jahr. Die Botschaft dieser Grafik: Langfristiges investieren stabilisiert die Rendite.
Aktien sind also gar nicht so riskant, wenn Sie langfristig und mit breiter Risikostreuung investieren. Dieses „Investieren“ ist übrigens der zweite und extrem wichtige Schritt zu einem erfolgreichen Vermögensaufbau – nach dem bloßen Sparen.
Bedenken Sie also bitte immer: Was auf den ersten Blick sicher erscheint, ist es oft nicht! Die Schwankungen und damit das Risiko mögen geringer sein, aber die Rendite und damit die Chancen sind es eben auch. Und eine negative Realrendite sollten Sie unbedingt verhindern, denn dann vernichten Sie langfristig Kaufkraft. Es ist das immer gleiche Zusammenspiel von Rendite und Risiko: Ohne Risiko keine Rendite, ohne Rendite keine Chance. Aber eben auch: Mit der Anlagedauer schwindet das Aktienrisiko bis auf ein Minimum.
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